Manchmal sieht eine frisch verlegte Fliese zunächst tadellos aus und klingt Wochen später beim Abklopfen hohl. Besonders ärgerlich ist das, wenn der Untergrund ordentlich vorbereitet war und der Kleber vermeintlich großzügig aufgetragen wurde. Bei solchen Fällen lohnt ein Blick auf die Rückseite der Fliese: War sie ausreichend mit Mörtel benetzt? Genau hier setzt das Buttering-Floating-Verfahren an. Es ist keine Zaubertechnik und gleicht keine Fehler im Untergrund aus. Richtig ausgeführt hilft es aber, Hohlräume zu vermeiden und eine belastbare Verbindung zwischen Fliese und Verlegefläche herzustellen.
Der Name klingt komplizierter, als die Arbeit ist. Beim „Floating“ wird der Fliesenkleber auf den Untergrund gekämmt, beim „Buttering“ kommt eine dünne Schicht Kleber zusätzlich auf die Rückseite der Fliese. Beide Kleberflächen werden frisch zusammengefügt. Das Verfahren wird häufig bei großformatigen Fliesen, im Außenbereich und überall dort eingesetzt, wo eine möglichst vollflächige Bettung wichtig ist. Wer zum ersten Mal selbst Fliesen verlegt, sollte dabei weniger an möglichst viel Kleber denken als an einen gleichmäßigen Kontakt.
Was beim doppelten Kleberauftrag tatsächlich passiert
Beim üblichen Floating-Verfahren wird der Kleber mit einer Zahnkelle auf dem Untergrund verteilt und in gleichmäßige Stege gekämmt. Anschließend wird die Fliese in das Kleberbett eingelegt und leicht eingeschoben. Beim Buttering-Floating-Verfahren erhält zusätzlich die Fliesenrückseite eine dünne, geschlossene Kontaktschicht. Dafür reicht meist die glatte Seite der Kelle. Es geht nicht darum, auf der Fliese ein zweites dickes Kleberbett aufzubauen.
Die beiden Schichten ergänzen sich: Die Kleberstege auf dem Untergrund werden beim Einschieben der Fliese zusammengedrückt, während der dünne Auftrag auf der Rückseite Unebenheiten und Vertiefungen besser ausfüllt. So sinkt das Risiko, dass größere Hohlräume unter der Fliese bleiben. Das ist besonders wichtig, wenn punktuelle Belastungen auftreten oder Wasser in Hohlstellen eindringen und bei Frost Schäden verursachen könnte.
Ein häufiger Fehler ist, die Fliese nur mit einzelnen Kleberbatzen zu versehen. Das mag beim Ausgleichen verlockend wirken, ist aber kein Ersatz für eine gleichmäßige Kontaktschicht. Ebenso wenig sollte man den Kleber auf dem Boden kreuz und quer kämmen. Gerade, möglichst parallele Kleberstege lassen sich beim Einschieben besser zusammendrücken und schließen Luft nicht so leicht ein.
Wann sich das Verfahren lohnt – und wann nicht
Bei kleinen Wandfliesen im trockenen Innenraum ist ein zusätzlicher Auftrag auf jeder Fliesenrückseite nicht immer erforderlich. Hier kann eine fachgerechte Verlegung im Floating-Verfahren ausreichen, sofern Fliesengröße, Untergrund und Kleber dazu passen. Mit zunehmender Fliesengröße wird es jedoch schwieriger, eine gleichmäßige Benetzung allein über das Kleberbett am Untergrund zu erreichen. Auch profilierte oder unregelmäßige Rückseiten können den direkten Kontakt erschweren.
Im Außenbereich, auf Balkonen und Terrassen sowie in Bereichen mit hoher Feuchte ist eine möglichst hohlraumarme Verlegung besonders wichtig. Wasser, das unter der Fliese stehen bleibt, kann bei Frost gefrieren. Innen können Hohlstellen außerdem dazu führen, dass Fliesen unter einer Stoßbelastung brechen. Das Verfahren verbessert die Bettung, ersetzt aber weder ein korrektes Gefälle noch Abdichtung, Entkopplung oder eine geeignete Bewegungsfuge.
| Situation | Worauf es ankommt | Einordnung |
|---|---|---|
| Kleine Fliesen im trockenen Innenraum | Passender Kleber, ebener Untergrund und ausreichende Benetzung | Floating kann genügen |
| Großformatige Fliesen | Rückseite zusätzlich dünn abspachteln und Fliese einschieben | Buttering-Floating ist häufig sinnvoll |
| Balkon oder Terrasse | Hohlräume vermeiden, Abdichtung und Entwässerung mitplanen | Besonders sorgfältige, möglichst vollflächige Bettung |
| Fliesen mit stark strukturiertem Rücken | Profil vollständig mit Kleber benetzen | Rückseitenauftrag kann den Kontakt verbessern |
Die Tabelle ist eine Orientierung, keine starre Regel für jedes Produkt. Verlegehinweise des Fliesen- und Kleberherstellers haben Vorrang. Auch Format, Material, Einsatzort und Untergrund spielen zusammen. Bei sehr großen Platten oder besonderen Konstruktionen sollte man die Systemvorgaben prüfen, bevor der erste Sack Kleber geöffnet wird.
Der Untergrund entscheidet schon vor dem ersten Kleberauftrag
Ein doppelter Kleberauftrag macht einen schiefen oder nicht tragfähigen Untergrund nicht besser. Staub, lose Farbschichten, alte Kleberreste und Trennmittel müssen entfernt werden. Risse, feuchte Stellen und stark saugende Flächen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Je nach Untergrund sind Grundierung, Ausgleichsmasse oder eine Abdichtung erforderlich. Diese Schichten müssen vollständig trocknen beziehungsweise entsprechend den Herstellerangaben weiterbearbeitet werden.
Bei großformatigen Fliesen fällt selbst eine kleine Unebenheit stärker ins Gewicht als bei Mosaik. Prüfen lässt sich der Boden mit einer langen Richtlatte; an der Wand helfen eine gerade Latte und eine Wasserwaage. Wer beim Verlegen versucht, größere Höhenunterschiede mit wechselnd dicken Klebermengen auszugleichen, bekommt oft ein unruhiges Ergebnis und unsicheren Kontakt. Der Kleber ist zum Verkleben da, nicht zum beliebigen Nivellieren.
Auch die Wahl des Klebers sollte nicht nach dem erstbesten Sack im Regal erfolgen. Für viele Anwendungen kommen zementäre Fliesenkleber infrage; bei großen oder anspruchsvoll verlegten Fliesen können ein geeigneter C2-Kleber und je nach Situation ein verformbarer Kleber der Klasse S1 oder S2 vorgesehen sein. Das sind keine pauschalen Kaufempfehlungen: Entscheidend sind Einsatzbereich, Untergrund, Fliesenmaterial und die Angaben des Herstellers.
So wird der Kleber aufgetragen
Den Kleber mische ich lieber in einer Menge an, die sich innerhalb der angegebenen Verarbeitungszeit sicher verlegen lässt. Zu viel Wasser macht die Masse nicht besser streichbar, sondern kann ihre Eigenschaften beeinträchtigen. Nach dem ersten Mischen braucht der Kleber häufig eine kurze Reifezeit, bevor er nochmals aufgerührt wird. Die genaue Vorgehensweise steht auf der Verpackung und sollte nicht durch Bauchgefühl ersetzt werden.
Auf dem Untergrund wird zunächst eine dünne Kontaktschicht mit der glatten Kellenkante aufgezogen. Danach kommt frischer Kleber dazu, der mit der gezahnten Seite in eine Richtung gekämmt wird. Die Zahnung richtet sich unter anderem nach Fliesenformat und Ebenheit; eine größere Zahnung bedeutet nicht automatisch ein besseres Ergebnis. Auf der Fliesenrückseite wird der Kleber ebenfalls dünn und flächig abgespachtelt. Dabei sollen Vertiefungen gefüllt und keine dicken Kleberhügel stehen bleiben.
Die Fliese wird in das frische Kleberbett gelegt und mit einer kurzen seitlichen Bewegung quer zu den Kleberstegen eingeschoben. Dieses Verschieben hilft, die Stege zusammenzudrücken und eingeschlossene Luft entweichen zu lassen. Bei großen Platten ist ein geeignetes Vakuumhebesystem oder eine zweite helfende Person oft weniger Luxus als eine vernünftige Arbeitserleichterung. Fliese ausrichten, Fugenabstand kontrollieren und mit dem Nivelliersystem arbeiten kann man anschließend – das System selbst ersetzt jedoch nicht das richtige Einschieben.
- Nur so viel Untergrund mit Kleber versehen, wie innerhalb der offenen Zeit belegt werden kann.
- Vor dem Einlegen prüfen, ob der Kleber noch frisch und übertragungsfähig ist.
- Die Fliesenrückseite dünn und vollständig abspachteln, nicht mit Kleberbatzen versehen.
- Eine gelegte Fliese gelegentlich wieder aufnehmen und die Benetzung auf ihrer Rückseite kontrollieren.
- Höhenlage und Fugen kontrollieren, solange sich die Fliese noch korrigieren lässt.
Die offene Zeit ist kürzer, als man oft denkt
Auf einem warmen, zugigen oder stark saugenden Untergrund kann die Oberfläche des Klebers schneller antrocknen. Dann entsteht eine Haut, obwohl der Kleber darunter noch weich aussieht. Drückt man eine Fliese darauf, verbindet sie sich möglicherweise nicht mehr ausreichend mit dem Kleber. Ein einfacher Test ist, mit dem Finger leicht auf die Kleberstege zu tippen: Bleibt kaum Material daran haften, sollte die Fläche abgezogen und frisch geklebt werden. Wasser auf die angetrocknete Fläche zu sprühen ist keine zuverlässige Rettung.
Deshalb trage ich Kleber lieber abschnittsweise auf, statt eine ganze Zimmerfläche vorzubereiten. Auch die Temperatur zählt; die zulässigen Bedingungen stehen beim jeweiligen Produkt. Direkte Sonne auf Balkon oder Terrasse kann die Arbeitszeit deutlich verkürzen. Wenn man zu zweit arbeitet, sollte vorher klar sein, wer Kleber aufzieht und wer die Fliesen setzt. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verhindert aber, dass die vorbereitete Fläche wartet, während noch Maß genommen oder Werkzeug gesucht wird.
Kontrolle statt Vertrauen auf den Klang
Während der Arbeit lässt sich die Qualität am besten direkt überprüfen. Eine frisch gesetzte Fliese wird vorsichtig wieder angehoben. Auf ihrer Rückseite sollte sich der Kleber gleichmäßig übertragen haben; einzelne schmale Streifen oder große freie Stellen zeigen, dass etwas nicht stimmt. Dann kann man Zahnung, Klebermenge, Einschubbewegung oder die Frische des Klebers korrigieren. Diese Kontrolle kostet anfangs ein paar Minuten, erspart aber später das Rätselraten über hohl klingende Stellen.
Die ideale Benetzung hängt vom Einsatzort ab. In Bereichen, in denen Wasser oder Frost eine Rolle spielen, ist eine möglichst vollständige Unterstützung der Fliese besonders wichtig. Ein pauschaler Prozentsatz passt jedoch nicht als Regel für jede Fliese und jeden Aufbau. Maßgeblich sind die einschlägigen technischen Vorgaben und die Systemhinweise der Hersteller. Fugen sollten zudem nicht dazu benutzt werden, fehlenden Kleberkontakt zu kaschieren.
Nach dem Verlegen braucht der Kleber Ruhe. Zu frühes Begehen, Belastung oder Verfugen kann Fliesen verschieben und die Verbindung stören. Auch hier gibt das Produkt die Wartezeiten vor; sie verändern sich je nach Temperatur, Schichtdicke und Untergrund. Wenn eine Fliese beim Ausrichten auffällig absackt oder sich kaum kontrollieren lässt, ist das kein Anlass, immer mehr Kleber darunterzuschieben. Besser ist, sie rechtzeitig abzunehmen und die Ursache zu prüfen.
Eine sorgfältige Bettung macht sich später kaum bemerkbar
Das Buttering-Floating-Verfahren fällt nach dem Verfugen nicht mehr auf. Man sieht weder die zusätzliche Kontaktschicht noch die Richtung der Kleberstege. Im besten Fall denkt man später überhaupt nicht mehr über den Kleber nach – die Fliesen liegen ruhig, tragen die Belastung und bleiben dort, wo sie hingehören. Gerade deshalb lohnt es sich, beim Verlegen eine Fliese mehrmals anzuheben und den eigenen Ablauf zu prüfen. Diese unspektakuläre Kontrolle sagt mehr über die Arbeit aus als ein perfekt gefüllter Eimer oder ein besonders schneller Fortschritt.
Foto von Alin Gavriliuc auf Unsplash
Ein Faible für gemütliche Ecken, natürliche Farben und Möbel mit Geschichte. Beim Einrichten zählt nicht der neueste Trend, sondern das Gefühl, dass ein Raum wirklich zu seinen Bewohnern passt.
