Zum Inhalt springen

Wie funktioniert Heizen mit Wärmepumpe? Funktionsweise einer Wärmepumpenheizung einfach und verständlich erklärt

Bei einem Besuch in einem Haus mit Wärmepumpe höre ich oft zuerst das Außengerät, bevor ich die Heizung sehe: ein gleichmäßiges Surren, manchmal ein kurzes Rauschen, wenn die Anlage abtaut. Drinnen ist davon wenig zu merken. Die Heizkörper sind nicht unbedingt heiß, und trotzdem bleibt es angenehm warm. Genau hier beginnt das Verständnis für die Wärmepumpe: Sie erzeugt Wärme nicht auf dieselbe Weise wie ein Gas- oder Ölkessel, sondern bringt vorhandene Wärme aus der Umgebung auf ein nutzbares Temperaturniveau.

Das klingt zunächst abstrakt. Im Grunde arbeitet eine Wärmepumpe aber nach einem vertrauten Prinzip: Wärme wandert von einem wärmeren zu einem kälteren Ort. Mit Strom lässt sich dieser natürliche Vorgang umkehren und gezielt nutzen. Ein Kühlschrank macht es ähnlich, nur dass er Wärme aus seinem Innenraum nach außen transportiert. Bei der Heizung wird die gewonnene Wärme ins Haus geleitet.

Die Wärme kommt nicht nur aus der Luft

Eine Wärmepumpe braucht eine Wärmequelle. Je nach Anlage ist das die Außenluft, das Erdreich oder das Grundwasser. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind bei Wohnhäusern besonders verbreitet: Ein Ventilator führt Außenluft über einen Wärmetauscher. Auch wenn sich die Luft kalt anfühlt, enthält sie noch Wärmeenergie. Selbst bei Minusgraden kann die Anlage diese aufnehmen, solange die Temperatur nicht unter den absoluten Nullpunkt sinkt.

Das Erdreich und das Grundwasser haben über das Jahr meist gleichmäßigere Temperaturen als die Außenluft. Eine Erdwärmepumpe nutzt dafür beispielsweise Erdsonden in tiefen Bohrungen oder flach verlegte Kollektoren. Das kann im Betrieb günstig sein, bringt aber mehr Aufwand bei Planung und Erschließung mit sich. Bei einer Luftwärmepumpe entfällt die Bohrung; dafür schwankt ihre Wärmequelle stärker mit dem Wetter. Die Art der Quelle beeinflusst also sowohl die Installation als auch die Effizienz.

Die Wärmequelle gibt ihre Energie zunächst an ein sogenanntes Kältemittel ab. Der Name führt leicht in die Irre: Dieses Arbeitsmedium ist nicht einfach „Kälte“, sondern eine Flüssigkeit beziehungsweise ein Gas, das schon bei niedrigen Temperaturen verdampfen kann. Im Verdampfer nimmt es Wärme aus der Umgebung auf und wechselt dabei vom flüssigen in den gasförmigen Zustand.

Was im Inneren der Wärmepumpe passiert

Der entscheidende Schritt folgt im Verdichter, auch Kompressor genannt. Er saugt das gasförmige Kältemittel an und verdichtet es. Dadurch steigen Druck und Temperatur deutlich. Das Prinzip kennt man von einer Fahrradpumpe: Wird Luft zusammengedrückt, erwärmt sich die Pumpe. In der Wärmepumpe ist dieser Effekt gezielt in einen geschlossenen Kreislauf eingebaut.

Das nun heiße Kältemittel strömt zum Verflüssiger. Dort gibt es seine Wärme an das Heizungswasser ab. Dieses Wasser zirkuliert anschließend durch Fußbodenheizung, Heizkörper oder einen Speicher für warmes Trinkwasser. Während das Kältemittel Wärme abgibt, kühlt es ab und wird wieder flüssig. Danach senkt ein Expansionsventil seinen Druck. Das Kältemittel kühlt weiter ab und kann im Verdampfer erneut Wärme aus Luft, Erdreich oder Wasser aufnehmen.

Der Kreislauf besteht damit aus vier Arbeitsschritten: Wärme aufnehmen, verdichten, Wärme abgeben und entspannen. Der Strom wird vor allem für den Verdichter und die Pumpen benötigt. Er wird nicht eins zu eins in Heizwärme verwandelt, wie bei einem elektrischen Heizlüfter. Vielmehr hilft er dabei, mehrere Einheiten Wärme aus der Umgebung ins Haus zu bringen. Wie viele es tatsächlich sind, hängt unter anderem von der Außentemperatur und der benötigten Vorlauftemperatur ab.

Warum niedrige Vorlauftemperaturen so viel ausmachen

Als Vorlauftemperatur bezeichnet man die Temperatur des Heizungswassers, das von der Wärmepumpe in die Heizflächen fließt. Ein gut gedämmtes Haus mit großzügiger Fußbodenheizung kommt oft mit relativ niedrigen Temperaturen aus. Ältere Heizkörper wurden dagegen häufig für heißeres Wasser ausgelegt. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Wärmepumpe dort unmöglich ist. Es kann aber sein, dass einzelne Heizkörper vergrößert, die Heizkurve angepasst oder andere Verbesserungen vorgenommen werden müssen.

Der Grund ist einfach: Muss die Wärmepumpe das Wasser auf eine sehr hohe Temperatur bringen, arbeitet der Verdichter stärker. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizwasser, desto mehr Strom braucht die Anlage für dieselbe abgegebene Wärmemenge. Deshalb ist die Frage „Kann die Wärmepumpe mein Haus heizen?“ weniger hilfreich als die genauere Frage, welche Vorlauftemperatur das Haus an kalten Tagen tatsächlich benötigt.

Ein praktischer Hinweis lässt sich oft schon am bestehenden Heizsystem ablesen. Wird das Haus an einem kühlen Tag mit moderat eingestellter Kesseltemperatur warm, stehen die Chancen für einen effizienten Betrieb besser. Das ist allerdings nur ein erster Anhaltspunkt, keine vollständige Planung. Gebäudezustand, Heizflächen, Warmwasserbedarf und hydraulischer Abgleich gehören ebenfalls dazu.

Effizienz: Was COP und Jahresarbeitszahl aussagen

In Produktunterlagen begegnen einem häufig COP-Werte. Der Coefficient of Performance beschreibt die Effizienz unter bestimmten Prüfbedingungen, etwa bei festgelegter Außen- und Vorlauftemperatur. Ein hoher COP ist nützlich, aber kein Versprechen dafür, was die Anlage in einem konkreten Haus über ein ganzes Jahr erreichen wird. Im Alltag wechseln Wetter, Warmwasserbedarf und Betriebszustände ständig.

Für den längeren Betrieb ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) aussagekräftiger. Sie setzt die über ein Jahr abgegebene Wärme ins Verhältnis zum dafür eingesetzten Strom. Eine JAZ von 3 bedeutet vereinfacht: Aus einer Kilowattstunde Strom wurden im Jahresmittel drei Kilowattstunden Wärme bereitgestellt. Das ist kein fixer Wert für jede Wärmepumpe. Eine Anlage kann in einem gut gedämmten Haus mit niedriger Vorlauftemperatur deutlich günstiger laufen als dieselbe Technik in einem Gebäude, das dauerhaft sehr heißes Heizwasser verlangt.

Auch Messgrenzen spielen eine Rolle. Je nachdem, welche Pumpen, Heizstäbe oder Steuerungskomponenten in die Strommessung einbezogen werden, kann die ausgewiesene Zahl anders ausfallen. Wer Verbrauch und Leistung später vergleichen möchte, sollte daher darauf achten, was der Wärmemengenzähler und der Stromzähler jeweils erfassen.

Was bei Frost und beim Abtauen geschieht

Bei einer Luftwärmepumpe kühlt der Wärmetauscher draußen ab. Bei feuchtem Wetter kann sich darauf Reif bilden, ähnlich wie an einer kalten Oberfläche im Winter. Eine Eisschicht würde den Wärmeübergang verschlechtern, deshalb startet die Anlage gelegentlich einen Abtauvorgang. Dabei wird der Kältekreislauf kurzfristig umgekehrt: Wärme wird dem Heizsystem entnommen und nach außen geleitet, um den Wärmetauscher zu erwärmen.

In dieser Phase kann das Außengerät dampfen oder kurzzeitig anders klingen. Das ist nicht automatisch ein Defekt. Entscheidend ist, ob die Anlage anschließend normal weiterläuft und das Eis tatsächlich verschwindet. Häufen sich die Abtauvorgänge auffällig oder bleibt das Gerät vereist, sollte ein Fachbetrieb nach Ursache und Einstellungen sehen. Auch ein freier Luftstrom ist wichtig: Laub, Schnee oder dicht platzierte Gegenstände können die Luftzufuhr behindern.

Bei besonders niedrigen Außentemperaturen sinkt die Effizienz einer Luftwärmepumpe, weil sie der kalten Luft Wärme entziehen muss. Viele Anlagen arbeiten trotzdem weiter; manche Systeme unterstützen sich bei Bedarf mit einem elektrischen Heizstab. Dieser kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sollte im normalen Betrieb aber nicht unbemerkt einen großen Teil der Heizlast übernehmen. Ein ungewöhnlich hoher Stromverbrauch im Winter ist daher ein Anlass, die Betriebsdaten und Einstellungen prüfen zu lassen.

Heizen und warmes Wasser sind zwei verschiedene Aufgaben

Für die Raumheizung reichen oft niedrigere Temperaturen als für die Trinkwasserbereitung. Warmwasser wird in einem Speicher bevorratet und muss hygienisch sowie komfortabel verfügbar sein. Die Wärmepumpe kann es erwärmen, braucht dafür aber zeitweise ein höheres Temperaturniveau. Das kostet mehr Strom als das Bereitstellen von lauwarmem Heizungswasser.

Deshalb lohnt es sich, den Warmwasserbedarf realistisch einzuschätzen. Ein großer Speicher, der ständig auf unnötig hoher Temperatur gehalten wird, kann Verluste verursachen. Andererseits darf die Einstellung nicht einfach beliebig abgesenkt werden: Trinkwasserhygiene und die Vorgaben der Anlage müssen berücksichtigt werden. Bei der Planung sollte außerdem besprochen werden, wann die Wärmepumpe den Speicher lädt und ob das zum Tagesablauf im Haushalt passt.

Die Einstellung zeigt sich im täglichen Betrieb

Nach der Installation wird eine Wärmepumpe nicht dadurch effizient, dass man möglichst viel an der Steuerung verändert. Häufig ist eine passend eingestellte Heizkurve wichtiger als tägliches Nachregeln. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur das System bei unterschiedlichen Außentemperaturen anstrebt. Ist sie zu hoch, verbraucht die Anlage unnötig Strom. Ist sie zu niedrig, bleiben einzelne Räume möglicherweise kühl.

Ich würde die Temperatur daher nicht jeden Morgen nach Gefühl hoch- und abdrehen. Sinnvoller ist, die Anlage über mehrere Tage bei ähnlichem Wetter zu beobachten und Änderungen schrittweise vorzunehmen. Fußbodenheizungen reagieren langsam; eine Veränderung kann erst viele Stunden später spürbar werden. Bei Heizkörpern geht es meist schneller. Kleine Notizen zu Außentemperatur, Raumgefühl und Einstellungen helfen mehr als hektisches Probieren.

Eine Wärmepumpe ist also weder ein magischer Wärmeerzeuger noch bloß ein elektrischer Kessel. Sie verschiebt Umweltwärme in ein Haus und braucht dafür Strom, dessen Menge stark von der Planung und dem Betrieb abhängt. Wer versteht, warum niedrige Vorlauftemperaturen und ein sauber abgestimmtes System zählen, kann Angebote besser einordnen und den Alltag realistischer einschätzen. Am Ende hört man die Qualität der Anlage oft nicht am lautesten am Außengerät, sondern daran, dass das Haus ruhig warm bleibt, ohne dass man ständig an ihr herumstellen muss.

Foto von alpha innotec auf Unsplash

Schreibe einen Kommentar