Auf einer Wasserrechnung steht oft eine Zahl, die zunächst recht übersichtlich aussieht: der Preis pro Kubikmeter. Erst beim genaueren Hinsehen wird klar, warum die Gesamtsumme höher ausfällt als erwartet. Neben dem Trinkwasser werden meist auch Abwassergebühren berechnet, dazu kommen feste Grundpreise und mitunter ein eigener Posten für Regenwasser. Wer gerade in eine neue Wohnung gezogen ist oder die jährliche Abrechnung prüft, sollte deshalb nicht nur auf den Preis je m³ schauen, sondern darauf, wie die Kommune ihn berechnet.
Der Kubikmeterpreis ist nur ein Teil der Rechnung
Ein Kubikmeter entspricht 1.000 Litern. Für das Trinkwasser zahlen Haushalte in Deutschland je nach Versorger und Wohnort häufig ungefähr zwei bis drei Euro pro Kubikmeter. Für die Abwasserbeseitigung kommen oft weitere zwei bis vier Euro hinzu. Als grobe Orientierung kann der verbrauchsabhängige Gesamtpreis daher bei etwa vier bis sieben Euro je m³ liegen. Das ist keine bundesweit gültige Preisliste: Einzelne Orte liegen darunter oder deutlich darüber, und die Gebühren können sich von Jahr zu Jahr ändern.
Auf der Rechnung sind Trink- und Abwasser normalerweise getrennt ausgewiesen. Der Trinkwasserpreis deckt unter anderem Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung ab. Die Abwassergebühr bezahlt die Ableitung und Reinigung des gebrauchten Wassers. Sie wird häufig anhand der Menge des bezogenen Frischwassers berechnet: Was über den Hausanschluss hineingelangt, wird zunächst auch als Abwasser angesetzt. Das ist praktikabel, aber nicht in jedem Haushalt exakt. Wasser, das etwa im Garten versickert oder in einem Pool verdunstet, fließt nicht zwingend in die Kanalisation.
Warum zwei Haushalte bei gleichem Verbrauch unterschiedlich zahlen
Viele Versorger verlangen neben dem Arbeitspreis einen festen Grundpreis. Er kann monatlich oder jährlich anfallen und hängt zum Beispiel von der Größe des Wasserzählers oder dem Anschluss ab. Damit werden Kosten für Bereitstellung, Zähler und Abrechnung mitfinanziert, unabhängig davon, ob gerade viel Wasser verbraucht wird. Für einen kleinen Haushalt kann dieser feste Betrag den effektiven Preis pro Kubikmeter spürbar erhöhen.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied. Verbraucht eine Person im Jahr 45 m³, ergeben drei Euro Trinkwasser und drei Euro Abwasser je Kubikmeter zusammen 270 Euro variable Kosten. Ein jährlicher Grundpreis von 120 Euro für Trinkwasser käme noch hinzu; weitere feste Entgelte können je nach Gemeinde ebenfalls auf der Rechnung stehen. Bei höherem Verbrauch verteilt sich derselbe Grundpreis auf mehr Kubikmeter. Deshalb lässt sich aus dem ausgewiesenen Arbeitspreis allein nicht zuverlässig ableiten, was ein Haushalt tatsächlich pro m³ bezahlt.
Für einen fairen Vergleich kann man die gesamte Jahresrechnung für Wasser und Abwasser durch die abgerechnete Frischwassermenge teilen. Das ergibt einen persönlichen Durchschnittswert, in dem variable und feste Kosten enthalten sind. Allerdings sollte man dabei getrennte Regenwassergebühren nicht einfach dazurechnen, wenn man den reinen Preis für Trink- und Schmutzwasser vergleichen möchte. Am besten betrachtet man beide Werte: den Arbeitspreis aus der Gebührenordnung und den tatsächlichen Durchschnitt aus der eigenen Rechnung.
Abwasser heißt nicht überall dasselbe
Die Schmutzwassergebühr wird in vielen Gemeinden pro bezogenem Kubikmeter Frischwasser berechnet. Die Höhe hängt unter anderem davon ab, wie aufwendig das Abwasser gesammelt und gereinigt werden muss. Eine Gemeinde mit langen Leitungsnetzen, Pumpwerken oder kleineren Kläranlagen hat andere Kosten als ein dicht besiedelter Ort, in dem viele Anschlüsse dieselbe Infrastruktur nutzen. Auch notwendige Sanierungen können sich in den Gebühren niederschlagen, selbst wenn der eigene Wasserverbrauch unverändert bleibt.
Daneben gibt es vielerorts eine Niederschlagswassergebühr. Sie betrifft Regen, der von versiegelten Flächen in die öffentliche Kanalisation gelangt: etwa von Dachflächen, gepflasterten Einfahrten oder Terrassen. Berechnet wird sie oft nach der angeschlossenen Fläche, also nach Quadratmetern pro Jahr, nicht nach dem Trinkwasserverbrauch. Ein Haus mit großem Dach und befestigtem Hof kann deshalb eine zusätzliche Position auf der Abrechnung haben, die in einer Mietwohnung oder bei einem Grundstück mit versickerungsfähigen Flächen nicht in derselben Höhe anfällt.
Je nach Kommune können sich die Regeln unterscheiden. Wer Regenwasser in einer Zisterne sammelt oder auf dem Grundstück versickern lässt, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine geringere angeschlossene Fläche angeben. Dafür gelten örtliche Vorgaben; manchmal ist ein Nachweis oder ein Antrag nötig. Eine pauschale Annahme, dass jede Regentonne automatisch die Gebühr senkt, führt leicht zu falschen Erwartungen. Maßgeblich ist die Satzung des zuständigen Abwasserbetriebs.
Weshalb Wasserpreise regional so stark schwanken
Trinkwasser ist kein überall gleich verfügbares Produkt. Manche Versorger können Grundwasser in der Nähe fördern, andere müssen Oberflächenwasser aufbereiten oder Wasser über längere Strecken transportieren. Die Beschaffenheit des Rohwassers spielt ebenfalls eine Rolle: Je nach Belastung und natürlicher Zusammensetzung sind unterschiedliche Aufbereitungsschritte erforderlich. Hinzu kommen Kosten für Brunnen, Speicher, Leitungen, Pumpen und deren laufende Instandhaltung.
Die Siedlungsstruktur wirkt sich besonders auf die Netzkosten aus. In einem dicht bebauten Stadtgebiet teilen viele Haushalte ein vergleichsweise kompaktes Leitungsnetz. In ländlichen Regionen müssen mitunter lange Leitungen für weniger Anschlüsse betrieben werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass ländliches Wasser immer teurer ist; günstige Quellen oder eine andere Gebührenstruktur können gegenläufig wirken. Es erklärt aber, warum der Preis nicht allein von der Menge des verfügbaren Wassers abhängt.
Auch die Abwasserinfrastruktur hat eine lange Lebensdauer und verursacht Kosten, die nicht verschwinden, wenn ein Haushalt sparsamer wird. Kanalisation und Kläranlage müssen für bestimmte Kapazitäten bereitstehen. Sinkt der Verbrauch dauerhaft, verteilen sich manche Fixkosten auf weniger Kubikmeter. Deshalb kann ein sehr niedriger Verbrauch zwar die variable Rechnung reduzieren, der Preis je tatsächlich verbrauchtem m³ aber trotzdem relativ hoch erscheinen.
Was ein typischer Haushalt grob einplanen kann
Als überschlägige Orientierung wird für eine Person häufig ein Jahresverbrauch von etwa 40 bis 50 m³ angesetzt. Der tatsächliche Wert hängt davon ab, wie lange geduscht wird, ob ein Garten bewässert wird und welche Haushaltsgeräte zum Einsatz kommen. Bei zwei Personen sind grob 80 bis 100 m³ im Jahr plausibel; ein Vierpersonenhaushalt kann ungefähr 150 bis 180 m³ erreichen. Das sind keine Sollwerte. Ein deutlich niedrigerer oder höherer Zählerstand ist für sich genommen kein Beweis für einen Fehler.
Nehmen wir für ein Rechenbeispiel 90 m³ Jahresverbrauch und einen kombinierten Arbeitspreis von sechs Euro pro m³ an. Dann ergeben sich 540 Euro für die verbrauchsabhängigen Trink- und Schmutzwasserkosten. Grundpreise und eine mögliche Niederschlagswassergebühr kommen hinzu. Liegt der kombinierte Arbeitspreis im Wohnort stattdessen bei fünf Euro, sinkt dieser Anteil auf 450 Euro; bei sieben Euro steigt er auf 630 Euro. Das Beispiel soll keine aktuelle Gebühr für einen bestimmten Ort ersetzen, sondern zeigen, wie schnell sich regionale Preisunterschiede auf die Jahresrechnung auswirken.
Bei Rechnungen ist außerdem wichtig, welche Beträge bereits enthalten sind. Trinkwasser wird in der Regel mit Umsatzsteuer abgerechnet; bei der öffentlichen Abwassergebühr handelt es sich üblicherweise um eine kommunale Gebühr. Die konkrete Darstellung kann je nach Anbieter variieren. Vergleichen Sie daher nicht bloß zwei Endbeträge aus unterschiedlichen Rechnungen, ohne Abrechnungszeitraum, Grundpreise und Gebührenarten zu prüfen.
So lässt sich die eigene Abrechnung sinnvoll prüfen
Wer eine unerwartet hohe Rechnung erhält, sollte zuerst den Zählerstand und den Abrechnungszeitraum mit dem Vorjahr vergleichen. Ein längerer Zeitraum oder eine geschätzte Ablesung kann den Eindruck eines plötzlich gestiegenen Verbrauchs erzeugen. Ein tropfender Spülkasten fällt im Alltag kaum auf, kann über Wochen aber erhebliche Mengen durchlaufen lassen. Ein kurzer Test hilft: Alle Wasserhähne schließen und beobachten, ob sich das kleine Rädchen am Zähler weiterdreht. Bewegt es sich, obwohl kein Wasser genutzt wird, lohnt sich die Suche nach einer undichten Leitung oder Armatur.
Wer Wasser zum Gießen nutzt, kann beim Versorger nachfragen, ob ein separater Gartenwasserzähler zugelassen ist. Damit lässt sich unter den örtlichen Bedingungen nachweisen, dass ein Teil des Trinkwassers nicht in die Kanalisation gelangt ist. Ein zusätzlicher Zähler kostet allerdings Anschaffung, Einbau und eventuell regelmäßige Prüfung. Bei kleinem Gartenverbrauch rechnet sich das nicht automatisch. Vor dem Einbau sollte man deshalb die Gebührenordnung lesen und die Ersparnis mit den laufenden Kosten vergleichen.
Am Ende gibt es auf die Frage nach dem Preis für einen m³ Wasser und Abwasser keine einzelne Zahl, die für alle Haushalte passt. Der Arbeitspreis liefert einen brauchbaren ersten Anhaltspunkt, die tatsächliche Belastung entsteht aber aus Verbrauch, Grundpreis und den örtlichen Regeln für Schmutz- und Regenwasser. Wer diese Bestandteile einmal auseinanderhält, kann eine Rechnung besser einordnen – und erkennt auch, ob eine hohe Summe vor allem am eigenen Verbrauch, an der Gebührenstruktur oder an den Bedingungen des Wohnorts liegt.
Foto von Naoki Suzuki auf Unsplash
Ein Faible für gemütliche Ecken, natürliche Farben und Möbel mit Geschichte. Beim Einrichten zählt nicht der neueste Trend, sondern das Gefühl, dass ein Raum wirklich zu seinen Bewohnern passt.
